Gemeinsam für Veränderung

Aus gegebenem Anlass möchte ich es jetzt und nie wieder sagen: BIPoC und LGBTIQ* in deutscher Literaturlandschaft mehr Raum zu geben ist kein »Trend«. Ein Trend geht vorüber, der Kampf für einen strukturellen Wandel in der deutschen Literaturlandschaft jedoch nicht.

«Meine Hoffnung ist, dass wir uns nicht auf den Leistungen der unabhängigen Verlage, Buchhandlungen und Initiativen ausruhen, sondern die bestehende Vielfalt schützen und weiter vorantreiben.» betont Dr. Sandra van Lente in einem Interview des Börsenblatts über Diversität im deutschen Buchmarkt.

Auch wenn es sich anfühlt, als würde sich etwas verändern, wird man doch wieder enttäuscht, siehe: Deutscher Buchpreis, Leipziger Buchpreis*, Besetzung der Jury, nominierte Autor*innen. «Handeln und Macht verweisen wechselseitig aufeinander (…). Sie haben ein gegenseitiges Bedingungsverhältnis» (Hannah Arendt). Ich kann also als kleiner Verlag in meinem Rahmen Veränderung bewirken, jedoch liegt die Verantwortung auch bei großen Konzernen, die teilweise weiter wie gehabt an ihren Veröffentlichungen arbeiten und Forderungen ignorieren, oder nicht wissen, wie sie etwas ändern können.

Jedoch gebe auch ich die Hoffnung nicht auf, dass (nicht nur unabhängige) Verlage verstehen, wie wichtig es ist, diese Strukturen aufzubrechen, um Realitäten abzubilden. Eine große Hilfe für Verlage, die etwas verändern wollen, wäre beispielsweise die Studie «Re:thinking ‚Diversity‘ in Publishing», die es auch in deutscher Übersetzung gibt. https://www.spreadtheword.org.uk/projects/rethinking-diversity/ — Viele Ergebnisse lassen sich (mit Sicherheit) auch auf den deutschen Literaturbetrieb übertragen.

*Außerdem gibt’s einen offenen Brief zum Preis der Leipziger Buchmesse, der unterschrieben werden kann. Danke an die Organisator*innen! (Link: https://docs.google.com/forms/d/e/1FAIpQLSd64TltLqZBEgKGeH7ONpgH5chFeQybrZZm0Ldz6AqBOBVXYQ/viewform)

«Kulturelle Institutionen, die fast ausschließlich weiße Autor:innen auszeichnen, verhindern die Weiterentwicklung der vielfältigen Literatur- und Kulturszene in Deutschland. So verfestigt sich ein eindimensionales Konzept von Literatur und Kultur. Die Unterzeichner:innen dieses Briefes wollen eine Kultur, in der eine Vielheit an Stimmen und Perspektiven Normalität ist. Und dafür braucht der deutsche Kulturbetrieb Jurys, Verlagshäuser und Feuilleton-Redaktionen, die die gelebte Realität der deutschen Gesellschaft repräsentieren.» Unterschreibt gerne den Brief! 🙂


Lasst uns gemeinsam verändern!
Nicht nur die Kleinen, sondern auch Großen.
Herzlich, Yasemin


Interview mit Dr. Sandra van Lente: https://www.boersenblatt.net/news/sonntagsfragen/diversitaet-im-deutschen-buchmarkt-109825