Workshop: Selbstliebe & Heilung / wort.in.farbe

«In the current context, the black revolution can seem like a distant,
utopian dream to those of us suffering the brunt of institutional racism.
The realities of racism mean that there are any number of
struggles on a daily basis that need to be resisted
that do not necessarily aim to overturn the system.
«

Kehinde Andrews – Back to Black
Retelling Black Radicalism for the 21st Century

Ein Gastbeitrag von Solinda Morgillo


Dieser Text ist für UNS.

Ich war müde als ich wort.in.farbe gestartet habe. Richtig müde. Eine Müdigkeit, die sich aus der Erschöpfung der Ohnmacht speiste. Ich bin es immer noch. Täglich grüßt mich die Dunkelheit frisch fröhlich am Bett, als wäre sie die Einzige, die gut geschlafen hätte.

wort.in.farbe ist ein virtueller Raum für UNS. Nicht für sie. Zweimal drei Buchstaben, zweimal zwei Welten dazwischen und das fucking Mittelmeer. Der Friedhof des Afrikanischen Kontinents. Wie falsch klingt das denn? Welcher Kontinent hat einen kollektiven Friedhof?

Zuhause ist es schön. Die Menschen sind Menschen mit Träumen und Sorgen. Sie sind fassbar. Sie leben alle Facetten der Liebe, so wie wir. Sie sind nicht einfach nur Arm. Illegal. Sexmonster. Ungesittet. Kulturfremd. Affen. Unmenschlich. – Sie sind unsere Mütter und Väter, Tanten und Onkel. Menschen.

Das erste Magazin von Literarische Diverse war für mich eine kleine Rettung. So viele Stimmen, die mir Geschichten erzählten. So nah und so fern zugleich. So verknüpft wie Freundschaftsbänder in schrägen Farben. In lustigen Farben, in liebenden Farben. Ich bin, weil wir sind.

Es ist so viel falsch in unserer Welt. Der Individualismus hat uns richtig verarscht. Wir haben unsre Seele verloren, die verhungert auf der Suche nach Echtheit. Wir drehen uns im Kreis, wissend, dass das, was wir finden wollen, in uns drin ist. Wir leben nicht, solange wir darauf warten, dass uns etwas gegeben wird. Wir überleben einfach. Strampeln, um uns auf dem sinkenden Mittelschichtboot einen Platz zu sichern. Konkurrenzieren uns gegenseitig, weil wir gelernt haben, es kann nur eine Queen B geben.

Und deswegen gebe ich diesen Workshop. Aus drei Gründen. Erstens, damit wir uns gegenseitig unsere verletzten Stellen zeigen können. Zweitens, damit wir uns gegenseitig Stärken können. Uns gut zusprechen, beraten, empowern. Drittens, damit wir gemeinsam eine Zukunft träumen können. Eine, in der wir uns gut fühlen. Gehen können, ohne Angst zu haben. Sein können, ohne veranderst zu werden, Atmen können.

Für das braucht es ein Selbstbewusstsein, dass sich aus Liebe nährt. Aus Wertschätzung gegenüber uns selbst. Aus einem Mut, der nur in uns wachsen kann. Und dann erst ist es möglich zu träumen. Uns die Welt so zu machen, wie sie uns gefällt. Die Kraft zu schöpfen, jeden Tag gegen den Strom zu schwimmen. Deswegen steht wort.in.farbe auch für Pausen, Community und aktiv gelebte Selbstliebe. Schenken wir uns Zeit, um zu heilen. Denn wir sind wertvoll, und unsere Imagination ist der Schlüssel zu Veränderung. Oder wie Felwine Sarr es treffend in seinem Essay Afrotopia ausdrückt: „Es geht vor allem darum, nicht mehr als Opfer auszutreten, sondern als Subjekt der eigenen Geschichte.“


Hinter wort.in.farbe stehe ich: Solinda, 25 Jahre alter gefühlter tausend Rollen tragende, balancierende Mensch und drei wundervolle Menschen, die mithelfen, euch jede Woche den Inhalt bereitzustellen.
Ohne sie könnte ich es nicht.
Danke Tendai Matare, Aude Tollo und Laura Warria.
Ihr seid Teil meiner Familie.


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Fotos: Tendai Matare
v.l.n.r. zu sehen: Lorenza Silvana, Mariam Cissé, Solinda Morgillo, Fatima Salum.